Die Jungfrau schläft in der Kammer

by Heinrich Heine

     „Die Jungfrau schläft in der Kammer, Der Mond schaut zitternd hinein; Da draußen singt es und klingt es, Wie Walzermelodein.

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     Ich will mal schaun aus dem Fenster,

Wer drunten stört meine Ruh’. Da steht ein Todtengerippe, Und fidelt und singt dazu:      Hast einst mir den Tanz versprochen,

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Und hast gebrochen dein Wort,

Und heut ist Ball auf dem Kirchhof, Komm mit, wir tanzen dort.      Die Jungfrau ergreift es gewaltig, Es lockt sie hervor aus dem Haus;

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Sie folgt dem Gerippe, das singend

Und fidelnd schreitet voraus.      [201] Es fidelt und tänzelt und hüpfet, Und klappert mit seinem Gebein, Und nickt und nickt mit dem Schädel

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Unheimlich im Mondenschein.“

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