Die Heimkehr
[33] Die Heimkehr *).[1] (Eine Ruhrtalsage.) Dem Kewelohbauer vom Ruhrastrand, So kündet’s die Sage noch heut’, An einem Sonntag die Frau verschwand, Es war um die Frühmettenzeit. –
Tief unten in Kluft und Gestein, Hat sieben Jahre die Frau verbracht, Da gelingt es ihr sich zu befrei’n. – Doch sind unterdes die Wangen rot
Ihr Mann, bedrückt von des Wittums Not, Nahm längst sich ein anderes Weib. – Und als sie kommt zum heimischen Herd, Die andere schaltet nun dort,
Denn keiner erkennt sie am Ort. – Nur der Spitz, der immer sonst wütend kläfft, Wenn Bettler dem Hofe sich nah’n, Uebt heute auf einmal das Wedelgeschäft,
[34] Und sonderbar, auch die Annemarei, Die liebliche Tochter vom Haus, Sie kommt vom Ofenwinkel herbei Und schmiegt sich der Alten am Flaus. –
Komm’ zurück von der Frau geschwind!“ Und die Alte drauf: „Wer mag wohl sein Die Nächste von uns dem Kind?“ Da öffnet sich langsam die Stubentür,
Und der Kewelohbauer tritt selber herfür, Der Mann von zwei lebenden Frau’n. – Er stutzt und starrt – doch kein Laut ertönt, Kein Ruf, kein hallender Schrei –
Er sagt nur: „Annemarei.“ – Ja, ich bin’s, Hansjörg, doch nimmer will Ich stören hier deinen Bund, Gib’ mir ein Stübchen nur klein und still
Gib’ mir mein herziges Töchterlein, Das ich froh zur Welt dir gebracht, Gönn’ mir noch ein bischen Sonnenschein Nach der siebenjährigen Nacht. –
Da starb schon die arme Frau, Da trug man sie nach der Totenflur Hinab durch die blühende Au’. – Verschollen ihr Grab, kein Kreuz, kein Stein
Die Heimatsage nur ganz allein Hält treulich noch Wache und Hut. –