Die Geliebte auf dem Balle

by Klamer Eberhard Karl Schmidt (1746–1824) · 1826 German

Indeß die Herrscherin von meinem trunk'nen Herzen
Sich wild im Wirbeltanze dreht,
Und Feuerfunken, lichter als die tausend Kerzen
Längs dem Salon, aus ihrem schönen Auge sä't;

Indeß die kleine Hand, gedrückt von zwanzig Händen
Verliebter junger Ritter wird,
Und vor dem Weihrauchdampfe, den sie schlau verschwenden,
Alldurchgeräuchert, sich ihr gutes Herz verwirrt;

So ganz verwirrt, daß sie nach neuer Schande lüstert,
Verschmitzt das Busentuch verschiebt,
Einschläfert, was für mich noch leis' im Herzen flüstert,
Und tausend Küsse nimmt, und tausend Küsse giebt;

Indeß verschlepp' ich hier, benetzt von kalten Thauen,
Des langen Abends lange Last! -
Tyrannin Eifersucht, laß mich aus deinen Klauen!
Die Hölle jubilirt, wenn du die Herrschaft hast!
(Band 2, S. 253)
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