Die Geliebte auf dem Balle

by Klamer Eberhard Karl Schmidt

Indeß die Herrscherin von meinem trunk'nen Herzen
Sich wild im Wirbeltanze dreht,
Und Feuerfunken, lichter als die tausend Kerzen
Längs dem Salon, aus ihrem schönen Auge sä't;

Indeß die kleine Hand, gedrückt von zwanzig Händen
Verliebter junger Ritter wird,
Und vor dem Weihrauchdampfe, den sie schlau verschwenden,
Alldurchgeräuchert, sich ihr gutes Herz verwirrt;

So ganz verwirrt, daß sie nach neuer Schande lüstert,
Verschmitzt das Busentuch verschiebt,
Einschläfert, was für mich noch leis' im Herzen flüstert,
Und tausend Küsse nimmt, und tausend Küsse giebt;

Indeß verschlepp' ich hier, benetzt von kalten Thauen,
Des langen Abends lange Last! -
Tyrannin Eifersucht, laß mich aus deinen Klauen!
Die Hölle jubilirt, wenn du die Herrschaft hast!
(Band 2, S. 253)
_____

More poems by Klamer Eberhard Karl Schmidt

All poems by Klamer Eberhard Karl Schmidt →