Die Fremde
by Otto Erich Hartleben (1864–1905) · 1905 German
Der düstre Hauch, der deine Stirn umweht,
der stille Zug, der um Erbarmen fleht,
das Zucken, das die Lippen dir bewegt,
hat wunderbar die Seele mir erregt. -
Dein Antlitz spricht von kaum verwehtem Leid,
verlornem Sinnen ist dein Blick geweiht,
wie welken Blumen, die die Häupter neigen,
scheint dir der Erde Sonnenlust zu schweigen.
Und doch! - Ein Etwas flammt noch von Verlangen,
ein Etwas will an diesem Leben hangen,
ein Etwas drängt nach ungefundner Lust -
o fändest du das Glück an meiner Brust! (S. 70)
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