Die drei Wehrbeitrags-Termine

by Rudolf Lavant

[127] Die drei Wehrbeitrags-Termine Die drei Termine sind ’ne harte Nuß, Auch für die ärgsten Reichs- und Kaiserschwärmer, Und wer mit Herzeleid sie knacken muß, Wird um diverse Backenzähne ärmer.

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Doch niemand wiegt sich in dem schönen Wahn,

Mit diesem ersten, also schwersten Schritte Sei es für alle Tage abgetan – Man kennt zu gut der Steueronkel Sitte. Der Fiskus hat vergnügt dazu gelacht

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Und macht ’nen dicken Strich durch seine Sorgen,

Seit man die ersten Zettel ihm gebracht Mit runden Summen, die man ihm verborgen. Geschwunden ist der trügerische Schein, Den schlau gewebt die Edelsten und Besten;

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Den Klemmer auf der Nase, sah hinein

Der Fiskus jetzt in ihre Feuerfesten. Was man den Armen mühsam abgezwackt In Form von Nickelstücken und von Kronen, Das wird – wie glatt! – nunmehro eingesackt

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Auf einem Brett mit vier und fünf Millionen:

„Wenn du dem Reiche eine feste Wehr Bereiten willst in allen Finsternissen, So gibt mir auch dafür die Mittel her – Du kannst es ja, wie wir genau nun wissen!“

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[128] Der Reichsbegeistrung schadet’s aber sehr,

Daß man den groben Keil hineingetrieben; Die Lust zum Hurraschrein fehlt immer mehr – „patriotismus“ wird jetzt klein geschrieben. Dann aber hält man „notgedrungen“ Rat

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In einzelnen, genau bestimmten Gruppen:

„Wie kann man mit dem nöt’gen Mut zur Tat Den Haifisch Fiskus elegant beschuppen?“ Und wieder kommt für sie die schöne Zeit, Wo vor des Staates Zugriff sie geborgen,

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Wenn nur ein Konto – eine Kleinigkeit! –

Sie bei der Bank von England sich besorgen. Dann aber singt der Millionäre Chor, Wobei sie sich bei beiden Händen fassen: „Die kleinen Diebe hängt man wie zuvor,

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Die großen aber muß man laufen lassen.“

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