An die blasse Sonne I

by Paul Haller

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An die blasse Sonne I Heut ist in meine Stube die Sonne gekommen. Ihre Augen standen wie der blaue Himmel, Wenn die zarten Frühnebel darauf verdampfen, Und’s noch zuckt und rätselt hinter dem Schleier.

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Nun lagen sie wie die flachen Teiche,

Vom weinenden Himmel auf’s Grüne geworfen; Der Schilf ihrer Wimpern schattete drüber. Und strahlten auf wie die Blumen am Berge, Die des Morgens tauperlig necken und lachen,

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Des Mittags verbrennen in heißem Erröten,

Des Abends stumm nach Gewittern starren. Ihre Wangen hingen an Schläfen von Marmor. Ihre Füße zögerten, als sie davonging. Und ihr Mund, der schmale, mit geschliffenem Messer

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Aus Elfenbein lächelnd vom Künstler geschnitzte,

Sprach noch fern aus dem Dunkel sein liebes: Gut Nacht.

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