Die Abbitte

by Christian Felix Weiße

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Die Abbitte.

Selinde sah vor wenig Tagen Den jungen Damon freundlich an: Wie konnt ich einen Blick vertragen, Der viel, sehr viel bedeuten kann!

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Ich wollte sie alsbald verlassen,

Und schwur: ich wollte nimmermehr Sie wieder sehn, ja, sie gar hassen, – – Wenn es mir möglich wär. Sie rieb die schönen Augenlieder,

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Und hub sie schmachtend in die Höh:

Dann fiel ein falsches Thränchen nieder Wie Morgenthau auf jungen Klee. Drauf rang sie ihre weißen Hände, Und seufzt ein halb gebrochnes Ach!

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Ich – – sah erschrocken an die Wände,

Und – – seufzte heimlich nach.

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Sie wollte mir darauf entrinnen:

Und ach! was hatt ich ihr gethan? Durch Seufzen war nichts zu gewinnen;

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Drum fing ich laut zu weinen an.

Ich warf mich nieder: auf den Knieen Stellt ich ihr meine Reue dar: Daß ich – – daß ich ihr schon verziehen, Daß ich – – zu ehrlich war.

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