Der Tag
Palmyras Tempelstaub bläst auf der Wind, Der durch die Hallen säuselt in der Zeit Des leeren Mittags, wo die Sonne weit Im Blauen rast. Der goldene Atem spinnt,
Im Glanz der Wüste, wie ein seidenes Zelt Der ungeheuren Fläche. Dach der Welt. Wie ferne Flöten tönt des Zephirs Hauch, Und leise singt der Sand. Doch unverweilt
Schlägt auf wie eine Woge in die Luft, Wie eine Flamme, die den Äther teilt. Der weißen Stiere roter Blutsaft schäumt Auf Tempelhöfen, wo das Volk im Kranz
Der mit Rubinen ihre Togen säumt. Ein Tänzer tanzt im blauen Mittagsrot Auf weißer Platte, der vom Strahle trank. – Das Licht entflieht. Der Libanon versank,
Und westwärts eilt der Tag. Mit tiefem Gold Ist weit des Westens Wölbung angefüllt: Des Gottes Rundschild, der die Schultern hüllt Des Flüchtigen. Sein blauer Helmbusch rollt
Am Meer, und seiner Inseln Perlenseil. Er eilt dahin, wo schon der Ida steil Mit Eichen tost und dröhnt der Hellespont. Das Stromland fort, dem grünen Abend zu.
An Ossas Echo. Troas Schilf entlang, In rote Wälder tritt sein Purpurschuh, In Sammetwiesen weich. Dem Feuer nach, Das einst gen Argos flog, tritt machtvoll er
Hervor aus grüner Grotten Steingemach. Sein Arm, den er auf Meer und Lande streckt, Ragt dunkel auf wie eine Feuersbrunst. Sein Atem füllt das Meer mit schwarzem Dunst,
Auf Marathon schleppt seines Mantels Saum Ein violetter Streif, wo schon das Horn Der Muschel stimmt am Strand der Toten vorn Der Sturmgott laut aus weißer Brandung Schaum.
Von seines Fußes Fittich um am Strand Der fernen Elis, da der Nacht Trabant, Schildknappe Mond, den dunklen Pfad beginnt.