Der Sturm

by Christian Felix Weiße

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Der Sturm.

Der lichte Himmel schwärzet sich: Ein jäher Sturm braust in den Zweigen, Und überall herrscht fürchterlich Ein ehrerbiethig Schweigen.

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Der kleinen Sänger tonreich Chor

Vergißt sein Lied, und lauscht in Sträuchen, Und nur die Schwalbe schießt hervor, Und schwebet auf den Teichen. Komm Chloe, eilends folge mir:

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Doch sieh, wie sich die Rosen bücken,

Vom Sturm bedroht flehn sie zu dir; Du sollst sie liebreich pflücken. Sie zittern vor den nahen Tod. O sieh, wie schön sie sich entfärben!

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Viel lieber wünscht ihr schamhaft Roth

An deiner Brust zu sterben.

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Wir sind entflohn, was fürchten wir

In dieser dicht verwachsnen Laube: Welch Glück! es wartet unser hier

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Der Saft der Moslertraube.

Verwegner Nord! tob immerhin, Und nimm, willst du ja hier noch wehen; Nimm meiner Chloe Palatin! Nur laß die Gläser stehen.

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