Der Sturm
[19]
Der Sturm.
Der lichte Himmel schwärzet sich: Ein jäher Sturm braust in den Zweigen, Und überall herrscht fürchterlich Ein ehrerbiethig Schweigen.
5
Der kleinen Sänger tonreich Chor
Vergißt sein Lied, und lauscht in Sträuchen, Und nur die Schwalbe schießt hervor, Und schwebet auf den Teichen. Komm Chloe, eilends folge mir:
10
Doch sieh, wie sich die Rosen bücken,
Vom Sturm bedroht flehn sie zu dir; Du sollst sie liebreich pflücken. Sie zittern vor den nahen Tod. O sieh, wie schön sie sich entfärben!
15
Viel lieber wünscht ihr schamhaft Roth
An deiner Brust zu sterben.
[20]
Wir sind entflohn, was fürchten wir
In dieser dicht verwachsnen Laube: Welch Glück! es wartet unser hier
20
Der Saft der Moslertraube.
Verwegner Nord! tob immerhin, Und nimm, willst du ja hier noch wehen; Nimm meiner Chloe Palatin! Nur laß die Gläser stehen.