Der sterbende Mensch
Nun ists genug. Es hat mich nicht gefreut, Und Neues wird es auch wohl nicht mehr geben.
Und du hast nichts gesühnt und nichts bereut.
Bereuen kann man nur, was man getan. Ich habe nichts erfüllt und nichts versprochen.
Ich war dein Zeitvertreib. So wurden Wochen Aus Jahren. Denkst du noch? Sieh mich nur an!
Ich sah stets hinter mich, und du warst da.
[86]
Ich schien dir nicht in deine Welt zu taugen. Du sahst nur alles Ferne immer nah.
Stell dich nicht vor, ich stell’ dich besser vor.
Wenn sie dich plagt, was leihst du ihr dein Ohr? Von mir hast du, von ihr nicht, was du weißt!
Was weiß ich, was ich weiß! Ich weiß es nicht. Ich glaube, zweifle, hoffe, fürchte, schwebe.
Du fällst nicht, Freund, wenn ich dich höher hebe.
Ich kenne dich. Du hast durch manche Nacht Mir eingeheizt und manches Wort gespalten.
Mit meinem Atem dir die Glut entfacht.
Zu viel, ich hab’ die Seele mir verbrannt. Oft wars wie Hölle, oft wars wie der Blitz —
[87]Da bin ich schon. Im Ernst, ich bin der Witz. Ich bins im Ernst, und doch als Spaß verkannt.
Wer wäre, was er ist, wo Trug und Wesen
Ich bin ein Hund und kann nicht Zeitung lesen.
Ich bin der Herr und wähle liberal.
Ich, weil ich Weib bin, von der Welt verachtet.
Weil ich kein Mann bin, von der Welt geehrt.
Und ihre Liebe hat mich nicht verzehrt.
Im Dunkel gehend, wußtest du ums Licht. Nun bist du da und siehst mir ins Gesicht.
Du bliebst am Ursprung. Ursprung ist das Ziel. Du, unverloren an das Lebensspiel, Nun mußt, mein Mensch, du länger nicht mehr warten.