Der Schiffbrüchige
Hoffnung und Liebe! Alles zertrümmert! Und ich selber, gleich einer Leiche, Die grollend ausgeworfen das Meer, Lieg’ ich am Strande,
Vor mir woget die Wasserwüste, Hinter mir liegt nur Kummer und Elend, Und über mich hin ziehen die Wolken, Die formlos grauen Töchter der Luft,
Das Wasser schöpfen, Und es mühsam schleppen und schleppen, Und es wieder verschütten in’s Meer, Ein trübes, langweil’ges Geschäft,
[349] Die Wogen murmeln, die Möven schrillen, Alte Erinn’rungen wehen mich an, Vergessene Träume, erloschene Bilder, Qualvoll süße, tauchen hervor!
Ein schönes Weib, königlich schön. Die schlanke Zypressengestalt Umschließt ein lüstern weißes Gewand; Die dunkle Lockenfülle,
Von dem hohen, flechtengekrönten Haupte, Sie ringelt sich träumerisch süß Um das süße, blasse Antlitz; Und aus dem süßen, blassen Antlitz,
Wie eine schwarze Sonne. O, du schwarze Sonne, wie oft, Entzückend oft, trank ich aus dir Die wilden Begeist’rungsflammen,
Dann schwebte ein taubenmildes Lächeln Um die hochgeschürzten, stolzen Lippen, Und die hochgeschürzten, stolzen Lippen [350] Hauchten Worte, süß wie Mondlicht,
Und meine Seele erhob sich Und flog, wie ein Aar, hinauf in den Himmel! Schweigt, ihr Wogen und Möven! Vorüber ist Alles, Glück und Hoffnung,
Ein öder, schiffbrüchiger Mann, Und drücke mein glühendes Antlitz In den feuchten Sand.