Der heilige Spring (Kämpchen)

by Heinrich Kämpchen (1847–1912) · 1909 German

Der heilige Spring *).

In den Bergen von Balkhausen,
Dort am schönen Ruhraflusse,
Quillt ein Born aus dem Gesteine
Heute noch mit raschem Gusse. –

Ueberdacht von Eichenkronen,
Läßt der Quell vom Bergeshange
Seine Wasser niederrinnen,
Frisch und froh – wer weiß wie lange.

Heilig war er einst den Alten,
Davon gibt die Sage Kunde,
Und durch Weihspruch zauberkräftig
Für Gebrestige und Wunde. –

Schlug der Kampf den Kriegern Kerben,
Traf ein Speerwurf ihre Weichen,
Trug man sie zum Zauberbronnen
Unter’m Dach der heil’gen Eichen. –

Und wenn sie vom Blutverluste
Schon zum Tode lagen nieder,
Gab ein Trank vom Wunderwasser
Ihnen doch das Leben wieder. –

Auch den unfruchtbaren Frauen,
Deren Hoffen schon zerronnen,
Tranken sie von seinem Nasse,
Half der kühle, klare Bronnen. –

So vom heil’gen Spring berichten
Uns die alten Ruhrtalsagen –
Selber hab’ ich auch gekostet
Schon von ihm in Maientagen.

Wenn die Berge ich durchstreifte,
Um der Vorzeit nachzusinnen –
Mögen lange seine Wasser
Noch zur Ruhra niederrinnen. –

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