Der gemachte Mann

by Rudolf Lavant

[098] Der gemachte Mann Mit Kopf, Genie und Ellenbogen Brach ich im Leben mir die Bahn. Nun hab ich mich zurückgezogen Und seh die Welt von oben an.

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Wenn ich so aus dem Fenster gucke

Und unten geht ein armer Tropf,  - Nur Lumpen gehn zu Fuß - so spucke Ich ihm recht huldvoll auf den Kopf. Daß jeder aus dem Menschenknäuel

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Durch die Natur mein Bruder sei –

Dies Wort ist mir ein wahrer Greuel, Und ich erklär's als Eselei. Tritt dieser Wahnsinn mir entgegen, Bekämpf ich schroff ihn bis zuletzt:

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Die andern sind nur meinetwegen

Vom Schicksal auf die Welt gesetzt. Daß sie mir meinen Acker düngen Mit ihrem Schweiß, ist Schicksalsschluß, Und dafür, daß sie sich verjüngen,

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Ist ja gesorgt im Überfluß.

Dem Arbeitsmann, dem schlichten, wackern, Sind feste Grenzen abgesteckt: Er hat für mich sich abzurackern, Und wer sich weigert, der verreckt.

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[099] So ist's des Allerhöchsten Wille,

Und dieser Fügung beug ich mich; Auch danke laut wie in der Stille Ich meinem Gott allsonntäglich. Schon in der Bibel kann man's lesen,

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Und darauf schwör ich Stein und Bein:

So, wie es ist, ist's stets gewesen Und wird es auch in Zukunft sein.

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