Der Brand

by Richard Dehmel

[119]  Der Brand.   Nur Zufall ... Bleiern lag Berlin im Abendlichte Dach an Dach; trüb sah sie in das Feuer, das drüben aus dem Giebel brach.

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     Die Flammen zuckten.

Im Rahmen meines Fensters, so stand sie schwarz und stumm vor mir; und im Nebenzimmer spielte eine blasse Frau Clavier.

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     Drüben wühlte die Glut.

Die blasse Frau war meine, und Diese stand so nah und hold; flimmernd säumte der rote Schein die lieben Locken mit dunklem Gold

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     und Funkengestiebe.

Es zog mich hoch: ich mußte, ich wollte sie an mich ziehn. Eine große trübe Wolke Rauch kroch über ganz Berlin;

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     die Flammen erstickten.

Ich stand mit scheuen Händen, das Spiel dort klang so seelenklar; und oben über der Wolke glomm und zitterte so wunderbar

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     ein blasser Stern ...

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