Der Apfel der Zwietracht
[146] Der Apfel der Zwietracht. Weltanschauung – mit dem Worte Ist viel Humbug schon getrieben, Und noch immer, täglich, ständig Braucht man es zur Irreführung.
Die man dadurch trennt und wirret, In zwei Lager feindlich spaltet Und dem Gegner überliefert. – Demagogisch braucht das Wort man
Um die Macht der Bergarbeiter Lahmzulegen und zu brechen. – Mag ein jeder doch anschauen Sich die Welt, wie’s ihm beliebet,
Noch sich bildet – mag er’s tuen. – Aber eben so in Freiheit Soll man auch den andern lassen, Der mit einer Welt des Diesseits
[147] Und wenn er dafür verlanget, Daß der Proletar, der Knappe, Menschlich leben soll auf Erden, Ist zuviel es wohl gefordert? –
Von der andern Weltanschauung Essen, trinken hier auf Erden Und dem Staat die Steuern zahlen? – Muß er nicht als Leidensbruder
Mit ihm hungern und verkümmern, Wenn sie nicht zusammenhalten? – Ob und wenn auch Antipoden In der Weltanschauung – beide
In der schauerlichen Tiefe. – Droben aber, auf der Erde, Sollen sie sich meucheln, morden, (Bildlich brauchen wir die Worte)
Also fordern es die Macher, Die doch nichts dagegen haben, Daß die lieben Werksbesitzer Ganz die gleiche Sünde üben. –
Um den Bergmann auszubeuten, Christen mit den Juden, Heiden, Katholik und Protestante. – Keiner ist, der ihnen predigt:
Auch in Christen und Nichtchristen, Also will’s die Weltanschauung. – Keiner – nur dem guten Bergmann Wird es täglich vorgeorgelt,
Sich zu schützen vor der Fährnis. – [148] Und die Lehre? – Mag doch jeder Wie er will die Welt anschauen, Aber in dem Kampfe, Knappen,
Wie in Nächten, so am Tage, Sollt ihr treu zusammenhalten, Ohne Unterschied des Glaubens, Einig, einig wie die Gegner. –
Aber laßt ihr euch zerspalten Mit dem Weltanschauungs-Köder, Bleibt ihr immer die Geleimten. –