Den österreichischen Arbeitern
[69] Den österreichischen Arbeitern Der Arbeit treues Volk im Osten, Vom roten Banner überwallt – Wie stehst Du ernst auf Deinem Posten, In stummem Trotz die Faust geballt.
Zerpflügt vom ehernen Geschick, Und doch im Auge stets den hellen, Den stolzen Ueberwinderblick! Der Büttel Schwarm, der Troß der Pfaffen,
Du aber schleifst die treuen Waffen Und lauschst der Wahrheit klarem Wort. Ergriffen hat Dich ein Gedanke Im tiefsten Sein mit Zaubermacht,
Und suchst den Weg in Sturm und Nacht. Du hast für die Idee geblutet Die Faust voll Schwielen und voll Ruß; Ein Meer von bittern Tränen flutet
Sie knirschen grimmig mit den Zähnen: Der arme, der getretene Knecht Erkauft sich doch mit Blut und Tränen Sein unveräußerliches Recht.
Und giftig sich ins Auge schaun, Doch rieselt stets durch ihre Adern Dabei ein tief geheimes Graun — Das Graun vor Dir und vor den Deinen,[70]
Und wider Dich sich zu vereinen, Sind sie in Furcht und Haß bereit. Und wie sie brüderlich verbunden Und Hand in Hand zum Streite gehn,
Allein, verlassen, einsam stehn. Nur Deiner Kraft darfst Du vertrauen, Denn fremder Beistand ist ein Wahn – Durch eine Welt von Feinden hauen
Kein leichtes Los ist Dir gefallen, Den ein Gedanke vorwärtstreibt Doch siegen wirst Du, wenn in allem Der Geist von heut' lebendig bleibt.
Von deren Tritt die Erde bebt – Es ist noch jede Form zerbrochen, Wenn sie sich selber überlebt! Du darfst schon jetzt den Blick erheben,
Ein großer Zug, ein frisches Streben Geht heut' nur durch der Arbeit Reihn, Und wo die großen Kräfte walten Und wo des Rechtes Banner fliegt,
Bevor des Kampfes Preis ersiegt. So schließt die Reih'n, die kampfesfrohen, Die Eure beste Hoffnung sind, Und schlagt das Schmeicheln wie das Drohen
In Österreichs ausgedehnten Landen, Wo Sprache wider Sprache ficht, Sei eine überall verstanden: Die Sprache, die die Arbeit spricht!