An den Kladderadatsch

by Rudolf Lavant

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An den Kladderadatsch.

(1890.) Du bist einst groß und eine Macht gewesen, Als du noch wirklich schneidig warst und spitz; Ein souveräner Herrscher war dein Witz Und Deutschland hat mit Spannung dich gelesen.

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Nach rechts und links, nach unten und nach oben

Hast du gehau’n, ein lustiger Kumpan, Und dem am häufigsten du weh gethan, War doch bereit, als ehrlich dich zu loben. Tempi passati! Nur zu bald verflogen

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War spurlos dir der rechte Spiritus;

Man hat sogar sehr bald zum Fidibus Ein ander Stück Papier sich vorgezogen. Das macht, der alte, urfidele Knabe Ward ein Philisterchen, das heißt servil –

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Wo blieb der Laune anmuthsvolles Spiel,

Wo blieb die hohe, seltne Göttergabe? Du zogst nach oben frisch nicht mehr vom Leder Und was der Kanzler meinte, sprach und that, War dir Gesetz – du tauchtest früh und spat

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In einem Topf voll Honig deine Feder.

Sie troff ja förmlich von der süßen Waare Und Unterthänigkeit ward all’ dein Sein; Du wobst geschäftig einen Heil’genschein Um die bewußten drei einsamen Haare.

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Der andre Topf hat Gift und Schmutz enthalten;

Daraus bespritzte rastlos deine Hand Den Mann, der kecken Sinns sich unterstand, Zu rechten mit den herrschenden Gewalten. Du maltest ab als unverschämte Knoten,

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Als Rotte Korah, die nach Fusel riecht,

An der das Deutsche Reich im Innern siecht, Allwöchentlich – und herzlich schlecht! – die Rothen. In diesem Zirkel drehte sich des Alten, Der einst ein Springer war, gemessner Tanz;

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Die Langeweile, sie ergriff mit Glanz

Und Energie Besitz von deinen Spalten. Es glichen sich die Nummern und die Wochen; Man nahm dich friedlich gähnend in die Hand, Und wenn in dir man je ein Witzchen fand,

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So hatten – deine Setzer ihn verbrochen.

Was, alter Junge, willst du nun beginnen? Nun zieht sogar der Heil’genschein nicht mehr, Denn grollend ging auf Nimmerwiederkehr Der „General der Kavallerie“ von hinnen.

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Man sagt sogar, er sei gegangen worden,

Weil da und dort er widerborstig war, Doch wie dem sei – das Eine ist dir klar: Du schaust vergebens trüben Blicks nach Norden. Was ist zu thun? Der Fall ist ziemlich bitter;

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Es sehnt vielleicht nach einst’gem stillen Glück

Und an der Leine Ufer sich zurück Des Kanzlerthums geschworner „letzter Ritter.“

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Auf diesem Feld wird dir kein Lorbeer sprießen,

Und eher kommst du gänzlich auf den Hund

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Durch steten Witz- und Abonnentenschwund;

Ich rathe dir, die Bude zuzuschließen.

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