An den Kladderadatsch
(1890.) Du bist einst groß und eine Macht gewesen, Als du noch wirklich schneidig warst und spitz; Ein souveräner Herrscher war dein Witz Und Deutschland hat mit Spannung dich gelesen.
Hast du gehau’n, ein lustiger Kumpan, Und dem am häufigsten du weh gethan, War doch bereit, als ehrlich dich zu loben. Tempi passati! Nur zu bald verflogen
Man hat sogar sehr bald zum Fidibus Ein ander Stück Papier sich vorgezogen. Das macht, der alte, urfidele Knabe Ward ein Philisterchen, das heißt servil –
Wo blieb die hohe, seltne Göttergabe? Du zogst nach oben frisch nicht mehr vom Leder Und was der Kanzler meinte, sprach und that, War dir Gesetz – du tauchtest früh und spat
Sie troff ja förmlich von der süßen Waare Und Unterthänigkeit ward all’ dein Sein; Du wobst geschäftig einen Heil’genschein Um die bewußten drei einsamen Haare.
Daraus bespritzte rastlos deine Hand Den Mann, der kecken Sinns sich unterstand, Zu rechten mit den herrschenden Gewalten. Du maltest ab als unverschämte Knoten,
An der das Deutsche Reich im Innern siecht, Allwöchentlich – und herzlich schlecht! – die Rothen. In diesem Zirkel drehte sich des Alten, Der einst ein Springer war, gemessner Tanz;
Und Energie Besitz von deinen Spalten. Es glichen sich die Nummern und die Wochen; Man nahm dich friedlich gähnend in die Hand, Und wenn in dir man je ein Witzchen fand,
Was, alter Junge, willst du nun beginnen? Nun zieht sogar der Heil’genschein nicht mehr, Denn grollend ging auf Nimmerwiederkehr Der „General der Kavallerie“ von hinnen.
Weil da und dort er widerborstig war, Doch wie dem sei – das Eine ist dir klar: Du schaust vergebens trüben Blicks nach Norden. Was ist zu thun? Der Fall ist ziemlich bitter;
Und an der Leine Ufer sich zurück Des Kanzlerthums geschworner „letzter Ritter.“
Und eher kommst du gänzlich auf den Hund
Ich rathe dir, die Bude zuzuschließen.