Deine Nähe

by Richard Dehmel

Zitternd bin ich aufgesprungen, glühend, mit dem Tageslichte, dir zu singen die Gedichte, die ich dir im Traum gesungen. Nie ertönte Innenklänge, zauberzarte, weiche, milde; nie vernommne, heiße, wilde, heilig brausende Gesänge. Und sie alle, alle rauschten Deinen, immer Deinen Namen, bis des Erdballs Völker kamen und auf deine Ankunft lauschten. Kamen aus den fernsten Landen, sprachen wohl in allen Zungen; doch von Dir, von Dir bezwungen, haben alle mich verstanden. Eines nur der tausend Lieder, eines nur noch einmal singen: ewig würd' es weiterklingen! Ach, ich finde keines wieder. Stumm im Herzen nur ein Schauern, nur ein brennendes Verzagen, ein Verlangen und ein Fragen: Komm! was läßt du mich so trauern?! aus: Richard Dehmel Gesammelte Werke in drei Bänden. Band 1 S. Fischer Verlag Berlin 1920 (S. 57-58)

More poems by Richard Dehmel

All poems by Richard Dehmel →