Das Vergißmeinnicht

by Klamer Eberhard Karl Schmidt

An Eloisa

Wenn du einst in neuem Liebesstrahle
Wege gehst, die du vordem nicht gingst,
Und für mich die fürchterliche Schale
Des Vergessens an die Lippen bringst;
Wenn dein Auge, das für mich nur glühte,
Mir abwendig, einem Andern spricht,
Dann dich mahnen mag die kleine Blüthe:
Sünderin, vergiß ihn nicht!

Wenn ein Jüngling, mächtiger und weiser,
Doch nicht treuer, um dein Lächeln wirbt,
Und du lächelst, und die Treue leiser
Meinen Namen nennt, und dann erstirbt;
Dann verbiet', o Mädchen, dann verbiete
Jeder Thräne, die für mich noch spricht!
Sprechen aber wird die kleine Blüthe:
Sünderin, vergiß ihn nicht!

Wenn in Blicken, die wie Funken stäuben,
Der geliebte Glückliche nun praßt;
Und nach kurzem mädchenhaften Sträuben,
Dich sein voller Liebesarm umfaßt;
Dann verbiet', o Mädchen, dann verbiete
Jedem Seufzer, der für mich noch spricht;
Sprechen aber wird die kleine Blüthe:
Sünderin, vergiß ihn nicht!
(Band 2, S. 282)
_____

More poems by Klamer Eberhard Karl Schmidt

All poems by Klamer Eberhard Karl Schmidt →