Das Vergißmeinnicht

by Klamer Eberhard Karl Schmidt (1746–1824) · 1826 German

An Eloisa

Wenn du einst in neuem Liebesstrahle
Wege gehst, die du vordem nicht gingst,
Und für mich die fürchterliche Schale
Des Vergessens an die Lippen bringst;
Wenn dein Auge, das für mich nur glühte,
Mir abwendig, einem Andern spricht,
Dann dich mahnen mag die kleine Blüthe:
Sünderin, vergiß ihn nicht!

Wenn ein Jüngling, mächtiger und weiser,
Doch nicht treuer, um dein Lächeln wirbt,
Und du lächelst, und die Treue leiser
Meinen Namen nennt, und dann erstirbt;
Dann verbiet', o Mädchen, dann verbiete
Jeder Thräne, die für mich noch spricht!
Sprechen aber wird die kleine Blüthe:
Sünderin, vergiß ihn nicht!

Wenn in Blicken, die wie Funken stäuben,
Der geliebte Glückliche nun praßt;
Und nach kurzem mädchenhaften Sträuben,
Dich sein voller Liebesarm umfaßt;
Dann verbiet', o Mädchen, dann verbiete
Jedem Seufzer, der für mich noch spricht;
Sprechen aber wird die kleine Blüthe:
Sünderin, vergiß ihn nicht!
(Band 2, S. 282)
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