Das seltsame Sterben

by Paul Haller

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Das seltsame Sterben Laßt aus frohen Jugendtagen Euch mein liebstes Leid berichten: Seltsam Sterben eines Freundes, Das in trauten Nachtgesichten

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Jahrelang mit mir gewandert.

Eines Freundes, den ich liebte Wie mich selber; den ich kannte, Meine zweite Seele nannte. Still auf eines Berges Knieen

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Lag das Dörflein. Auf zum Haupte

Stieg der Knabe jenes Morgens, Der sein junges Leben raubte. Grünten nicht die Frühlingswälder? Lag der Nebel nicht im Tale?

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Glänzte nicht im Sonnenstrahle

Silbern die betaute Welt? War es nicht ein heilger Morgen? Abends fand man meinen lieben Freund zerschmettert unterm Felsen.

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Und die Rede ist geblieben

In des Dörfleins stillen Hütten, Daß er Maienglöcklein suchte Und am Felsen ausgeglitten. — — — — — — — — — Besser weiß ich’s, weil er selber

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Oftmals mir’s im Traum gewiesen.

Und ich wußt es ohne Träume, Weil’s mein Freund war, den ich kannte, Meine zweite Seele nannte.

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Keiner sah ihn je auf Bergen
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Tollkühn klettern, lustig wagen.

Und an jenem klaren Morgen Nicht nach Blumen stieg er einsam; Nur die Sonne wollt er sehen, Eh sie auf den Berg gestiegen!

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Ja, dem Licht entgegenfliegen,

Daß er früher als die Berge Aus den goldnen Bechern trinke, Glühend an der höchsten Göttin Lichtumwob’ne Knie sinke!

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Denn so war er, so ein Träumer,

Der auf Wolken weltumreiste, Der auf blauen Himmelswiesen Blumen pflückte, Sterne küßte, Nach dem Licht mit Händen griff!

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Und das Träumen, das er büßte,

War die einz’ge große Freude Die das Leben ihm beschieden Neben seinem großen Leide. Fragt ihr, wie es denn gekommen? –

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Heimlich dämmerten die Tale.

An den Bäumen festgeklammert Stand er droben, als die Sterne Blaßten unterm hellern Strahle. Leuchtend malte sich der Osten.

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Herrlich wuchsen goldne Bäume

Aus der Nacht verträumten Tiefen, Breiteten die Flimmeräste Über Lande, die noch schliefen. Und der Schöpfung kleinste Seele,

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Jedes Blatt am tiefsten Strome,

Hob die Hände voll Verlangen, Himmelsfrüchte zu empfangen. Aber meines Freundes Seele Wollte hoch ob allen andern

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Durch die klaren Lüfte wandern

Und zuerst die Sonne sehen! Und das Kind vergaß die Erde, Löste kühn die schwachen Arme Von den Bäumen, stand dort oben

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Auf des Felsens höchster Kante,

Halb schon in die Luft gehoben. – Und dann sprang er in den Himmel. – – Freundlich trugen ihn die Lüfte, Rauschend grüne Waldesgrüfte

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Zogen meinen Freund ans Herz.

Ja, sein Leben und sein Lieben Und sein seltsam schönes Sterben Sind mein liebstes Leid geblieben.

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