Das Königswort

by Kurt Tucholsky

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Das Königswort

Dies ergötzte hoch und niedrig: Als der edle König Friedrich, August weiland von ganz Sachsen, tat zum Hals heraußer wachsen

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seinem Volk, das ihn geliebt,

so es billigen Rotwein gibt – als der König, sag ich, merkte, wie der innre Feind sich stärkte, blickt er über die Heiducken,

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und man hört ihn leise schlucken . . .

Und er murmelt durch die Zähne: „Macht euch euern Dreck alleene!“ Welch ein Königswort! Wahrhaftig, so wie er – so voll und saftig

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ist sonst keiner weggegangen.

Wenn doch heute in der langen langen Reihe unsrer Kleber, Wichtigmacher, Ämterstreber, einer in der langen Kette

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nur so viel Courage hätte,

trotz der Ehre und Moneten schnell gebührend abzutreten! O, wie ich sein Wort ersehne: „Macht euch euern Dreck alleene!“

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Edler König! Du warst weise!

Du verschwandest still und leise

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in das nahrhafte Civil.

Das hat Charme, und das hat Stil. Aber, aber unsereiner!

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Sieh, uns pensioniert ja keiner!

Und wir treten mit Gefühle Tag für Tag die Tretemühle. Ach, wie gern, in filzenen Schuhen wollten wir gemächlich ruhen,

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sprechend: „In exilio bene!

Macht euch euern Dreck alleene!“

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