Das Jahr – ein Leben

by Rudolf Lavant

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Das Jahr – ein Leben.

(1888.) Die Lüfte lau, der Himmel blau, Der Bach befreit vom Eise, Und aus dem Wald vernimmst du bald Des Kukuks traute Weise!

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Die Schwalbe kehrt zum alten Herd,

Die Veilchen blühn am Raine;

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Die Lerche schwirrt, der Falter irrt

Durch knospenreiche Haine, Und freudig schaun und voll Vertraun

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Vor uns die Bahn wir offen;

War auch dein Herz voll Gram und Schmerz – Der Lenz bringt neues Hoffen! Vom Sonnenbrand gebräunt die Hand, Die Stirn bedeckt von Tropfen,

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Hörst du sodann im tiefen Tann

Der Spechte fernes Klopfen; Vom Staub beweht am Wege steht In Mittagsgluth die Weide – Den langen Tag klingt Wachtelschlag

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Aus wogendem Getreide.

Ein Wetter droht; vom Blitz umloht Mußt du die Garben raffen; Wem sich in Kraft der Arm noch strafft, Der soll im Sommer schaffen!

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In bunte Tracht, in stille Pracht

Hat sich der Wald gekleidet; Geschaart zum Zug für langen Flug, Das Heer der Sänger scheidet. Die Traube reift; vom Stengel streift

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Der Herbst die letzte Rose

Und seltsam fahl im Wiesenthal Blüht nun die Herbstzeitlose. Die Halmenflur zeigt Stoppeln nur, Die Herbsteswinde klagen;

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Es mag mit Grund dein ernster Mund

Nun nach der Ernte fragen.

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Dann weit und breit das Land verschneit,

Gehüllt in Nebelschichten; Von Frost erstarrt, das Hochwild scharrt

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Nach Moos am Fuß der Fichten.

Ein Blumenflor schoß Nachts empor An deines Fensters Scheiben; Der rasche Fluß, der blaue, muß Verdrossen Schollen treiben.

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Der Sturm pfeift schrill – sonst Alles still,

Die Welt versank in Schweigen; Nun magst auch du das Haupt zur Ruh’, Zur wohlverdienten neigen.

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