An das Jahr

by Rudolf Lavant

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An das Jahr.

Du bringst den Lenz, der alles fahle Gezweig in grüne Schleier hüllt, Der über Nacht uns alle Thale Mit Blüthenschnee auf Wochen füllt;

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Du bringst der Falter bunte Schwingen,

Der Maienglöckchen feinen Duft, Des Lerchenwirbels Niederklingen Aus blauer, wolkenloser Luft. Du wirst in Schweiß die Stirnen baden,

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Wenn rings des Mähers Sense blinkt,

Wenn das gereifte Korn in Schwaden Zur Erde rauschend niedersinkt; Du heißest in die Scheuern führen Der unverdrossnen Mühe Lohn,

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Du hängst uns über alle Thüren

Den Erntekranz aus wildem Mohn. Du färbst das satte Grün der Wälder In Purpur um und Gold und Rost, Du füllst die Bütten und die Kelter

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Mit Trauben an und süßem Most;

Du bringst die Klarheit und das Schweigen, Der schnellen Wandervögel Rast, Du streifst von tiefgesenkten Zweigen Der rothgewangten Früchte Last.

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Du zauberst Blumen an die Scheiben,

Du schlägst uns auf ein ernstes Buch, Du webst in stillgeschäft’gem Treiben Der Saat ein weiches, warmes Tuch; Du giebst von Stahl dem Fuße Flügel,

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Du formst in Knabenhand den Ball –

Du sendest über Thal und Hügel Der Weihnachtsglocken Friedenshall. Doch – wolle mild dich auch erbarmen Des Sklaven in der Mühsal Haft,

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Der Tag und Nacht mit nerv’gen Armen

Um kargen Lohn verzweifelt schafft, Der düster, in verbissnem Schweigen, An der Maschine Kreisen steht, An dem des Jahres Zauberreigen

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Fast ungesehn vorübergeht.

Du siehst, erlahmen und ermatten Muß in dem Einerlei sein Hirn; Leg’ deine kühlsten Waldesschatten Auf seine heiße, müde Stirn;

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Laß deine reinsten Höhenlüfte

Erquicken die gepreßte Brust Und spende ihm die Rosendüfte, Das Lerchenlied der Sommerlust!

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