Das Grubenpferd

by Heinrich Kämpchen

[53] Das Grubenpferd. Ein edles Roß, zu wild und ungeberdig Vor’m Tilbury des Direktors, ward deshalb Zum Grubenpferde degradiert und mußte Die Kohlenwagen zieh’n im Kohlenschacht. –

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Das edle Tier, an Licht und Luft gewöhnt

Vom Sonnentag, verkümmerte – sein Fell, Sonst weich und glatt, ward zottelig, und wund Ihm Kopf und Rücken vom Gestein der Decke, Zu niedrig für seinen hohen Wuchs. –

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Es mußte ziehen und es zog – die Geißel

Des Treibers brach den Trotz ihm – aber mehr Das Dunkel und die Moderluft des Schachtes. – Ein Jammerdasein war’s dem edlen Roß. – Die Schläge fielen hageldicht, so bald

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Der Wagenpark nicht schnell genug vom Schacht

Zum Schachte flog – ob schuldig oder nicht, Des Treibers Zorn zerfleischte ihm den Rücken. – Da – wieder traf sein armer Kopf der Schlag Von roher Faust, wie’s ihm so oft geschah –

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Zerriß die Stränge es und stürmte fort,

Durch’s Streckendunkel, sonder Halt und Ziel. – War’s Wut, Verzweiflung, Freiheitsdrang, wer kündet’s – Doch seiner Qualen Ende war’s – man fand es, Den Kopf zerschellt, in einem Wassertümpel. –

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Ein Pferd nur, bah, ein Grubenpferd, und darum

So viele Worte – hör’ ich Leser sprechen. – Ja, nur ein Pferd – ihr habt mich nicht verstanden. –

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