Das Gewitter
[298] Das Gewitter.*)[1] 1828. Urahne, Großmutter, Mutter und Kind, In dumpfer Stube beisammen sind; Es spielet das Kind, die Mutter sich schmückt, Großmutter spinnet, Urahne gebückt
Wie wehen die Lüfte so schwül! Das Kind spricht: „Morgen ist’s Feiertag, Wie will ich spielen im grünen Hag, Wie will ich springen durch Thal und Höh’n,
Dem Anger, dem bin ich hold!“ – Hört ihr’s, wie der Donner grollt? [299] Die Mutter spricht: „Morgen ist’s Feiertag, Da halten wir alle fröhlich Gelag,
Das Leben es hat auch Lust nach Leid, Dann scheint die Sonne wie Gold!“ – Hört ihr’s, wie der Donner grollt? Großmutter spricht: „Morgen ist’s Feiertag,
Sie kochet das Mahl, sie spinnet das Kleid, Das Leben ist Sorg’ und viel Arbeit; Wohl dem, der that, was er sollt’!“ – Hört ihr’s, wie der Donner grollt?
Am liebsten morgen ich sterben mag: Ich kann nicht singen und scherzen mehr, Ich kann nicht sorgen und schaffen schwer, Was thu’ ich noch auf der Welt?“ –
Sie hören’s nicht, sie sehen’s nicht, Es flammet die Stube wie lauter Licht: Urahne, Großmutter, Mutter und Kind Vom Strahl miteinander getroffen sind,
Und morgen ist’s Feiertag.