Das Archiv.

by Gustav Schwab

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  Das Archiv.

 1838. Aus den tief gewölbten Gründen Steigt zu Tage das Archiv, Wo es, voll geheimer Sünden, Viele hundert Jahre schlief.

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Und der Graf, der zeucht, gebärdet

Ängstlich sich mit seinem Schatz: Wandern soll er ungefährdet Aus dem lang belegnen Platz. Drum in siebenfaches Eisen

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Schließt er sein Geheimnis ein,

Und im Panzerhemde kreisen Sieben Söldner um den Schrein. Hinter ihm vergebens rasselt Viel Bedrückter fluchend Wort,

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Schwer beladen, sicher prasselt

Dicht umringt der Wagen fort.

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Durch der Knechte starre Lanzen

Dringt kein Räuber auf dem Pfad, Und den eisenfesten Schanzen

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Kein verstohlner Dietrich naht.

Sicher ist’s! so denkt mit Wonne Dicht zu Roß dabei der Graf. Da verfinstert sich die Sonne, Und der Wind erwacht vom Schlaf.

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Lauft, ihr Knechte, jagt, ihr Rosse!

Drunten winkt mein neues Haus! – Doch dem himmlischen Geschosse Weicht die Beute nicht mehr aus. Wolken wehen dicht zusammen,

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Ferner Donner flucht herab,

Endlich schickt ein Blitz die Flammen In das erzumschloßne Grab. Und wie Wachs schmilzt die Truhe, Drin es knistert, drin es brennt,

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Und aus seiner Totenruhe

Flackert auf das Pergament. Foltersprüche, Fluchprozesse, Henkerthaten, Sündenglück, Alles sprühet aus der Esse –

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Und als Asche sinkt’s zurück.

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