Das Bergmannselend

by Heinrich Kämpchen

[67] Das Bergmannselend. Wie Wehruf schallt es, Wie Klaggestöhne, Mit dumpfem Röcheln Tief aus den Grüften

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Im Bauch der Erde. –

[68] Wer klagt, wer ruft da In solchen Lauten, Verzweiflungsbangen, Entsetzensvollen,

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Aus Nacht und Oede –

O sagt, wer ruft da? – Voll Schaudern hör’ ich, Der Lichtgewohnte, Der Oualentrückte,

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Am Sonnentage

Die düstern Laute. – Ich höre Wimmern, Ich höre Aechzen, Vermischt mit Flüchen,

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Mit wilden, grausen –

Und Hohngelächter, Wie Spuk der Hölle, Wie der Verdammten Schmerzhaft Gewinsel,

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Voll Wut und Ohnmacht.

Dazwischen dumpfes Gepoch und Hämmern, Und Brechen, Fallen, Und Dröhnen, Knallen,

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Als ob Dämone

Am Werk geschäftig. – Dann wieder Fluchen Und Qualgestöhne, Und gelles Lachen. –

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Wer ist der Rufer?

Ich frag’ es wieder, Im Erdengrunde, Im dunkeln, düstern, Wer ist der Rufer? –

40
O gebt mir Kunde

Von dem was unten, So fern vom Tage, Mit seinem Grollen Das Herz mir ängstigt. – [69]

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Und endlich, endlich –

Aus Erdentiefen, Aus Nacht und Nebeln, Durch Felsenwände Kommt mir die Antwort:

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„Das Bergmannselend!“ –

Aus seinen Grüften, Aus seinen Klüften Zu dir am Tage, Du Lichtgewohnter,

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Du Kettenfreier,

Schickt seine Klagen Der arme Bergmann. – Im Dämmerdunkel, In Oualm und Brodem –

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(Du hörst sein Röcheln,

Du hörst sein Wimmern Und seine Flüche, Tief, tief im Grunde) – Schafft der Helote. –

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Ihn hält das Elend,

Ihn hält der Hunger, Der Kampf um’s Dasein, Der grimme, wilde, Gebannt im Schachte. –

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Dort in der Enge,

In Dunst und Oualme, Entblößten Leibes, Nicht menschenwürdig, Gräbt er die Kohlen. –

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An seinem Schweiße,

An seinem Odem (Ihm stirbt die Lunge Vom Kohlenstaube) Wärmt sich der Tagmensch

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In Schloß und Hütte. –

[70] So gräbt und schaufelt, So wühlt und scharret Sich Maulwurfsgänge Im Bauch der Erde

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Der arme Bergmann. –

Er vegetieret – Ein Elendsdasein An Leib und Seele Im Frönerjoche –

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Er vegetieret. –

Doch nicht für immer! – Auch ihm, dem Maulwurf, Dem Erddurchwühler, Dem Lichtentwöhnten,

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Glüh’n schon der Zukunft

Rotgold’ne Lichter. – Sein Jammern, Klagen, Sein Fluchen, Grollen, Wird bald verhallen. –

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Und aus den Grüften,

Und aus den Klüften Steigt er zu Tage, Zur Sonnenhelle, Ein Mensch zu Menschen,

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Mit Lieb und Hoffen. –

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