Brigitte B.
[68] Brigitte B. Ein junges Mädchen kam nach Baden, Brigitte B. war sie genannt, Fand Stellung dort in einem Laden, Wo sie gut angeschrieben stand.
War dem Geschäfte zugetan, Der Herr ein höherer Angestellter Der königlichen Eisenbahn. Die Dame sagt nun eines Tages,
Nimm dies Paket, mein Kind, und trag es Zu der Baronin vor der Stadt. Auf diesem Wege traf Brigitte Jedoch ein Individium,
Wenn nicht, dann bringe er sich um. [69] Brigitte, völlig unerfahren, Gab sich ihm mehr aus Mitleid hin. Drauf ging er fort mit ihren Waren
Sie konnt’ es anfangs gar nicht fassen, Dann lief sie heulend und gestand, Daß sie sich hat verführen lassen, Was die Madam begreiflich fand.
Für die Baronin vor der Stadt Gestohlen worden sei, das schnüre Das Herz ihr ab, sie hab’ sie satt. Brigitte warf sich vor ihr nieder,
Den Abend aber schlief sie wieder Bei ihrem Individium. Und als die Herrschaft dann um Pfingsten Ausflog mit dem Gesangverein,
Bedenken abends zu sich ein. Sofort ließ er sich alles zeigen, Den Schreibtisch und den Kassenschrank, Macht die Papiere sich zu eigen
[70] Brigitte, als sie nun gesehen, Was ihr Geliebter angericht’, Entwich auf unhörbaren Zehen Dem Ehepaar aus dem Gesicht.
Es läßt sich nicht erzählen wo; Dem Jüngling, der die Tat begangen, Dem ging es gestern ebenso.