Bischof Hatto

by Heinrich Kämpchen

[83] Bischof Hatto.  (Ballade.) Am Mäuseturm *)[1] im Rhein Ersteht um Mitternacht Ein wundersamer Schein, Wie ihn kein Feuer facht.

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Der Fischer, der noch spät

Mit seinem Fang bemüht, Spricht schnell ein kurz Gebet, Wenn er den Schimmer sieht. Er weiß, im alten Turm

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Läuft jetzt dem bösen Mann,

Dem Bischof Hatto, Sturm Der grimmen Mäuse Bann. Er kennt die Sage ja, Die Sage alt und grau,

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Und weiß, was einst geschah

In dem verwünschten Bau. Wie Hattos Raserei Die Hungernden verbrannt, Und wie er ihr Geschrei

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Den „Mäusepfiff“ genannt.

Den Turm hat er gebaut, Der Rache zu entgeh’n, Die Gott für ihn gebraut Auf der Gequälten Fleh’n.

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Im Rheine, fest und schwer,

Mit Kammer und Gelaß, Weil ihn ein Mäuseheer Bedrängt ohn’ Unterlaß. Doch auch der Turm von Stein

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War ihm kein Rettungsport,

Es schwammen durch den Rhein Die Mäuse nach sofort. [84] Sie drangen in sein Haus, Trotz allem Hindernis,

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Und Hattos Leib, o Graus,

Zernagt ihr scharfer Biß. Und was da jetzt noch glüht, Ist schlimmer Höllenbrand, Der von den Mäusen sprüht,

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Die Hatto nachgerannt,

Die, weil er ohne Reu’ Einst Todesnot verlacht, Ihn heut’ noch immer neu Auch töten jede Nacht.

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