Belsatzar
Die Mitternacht zog näher schon; In stummer Ruh lag Babylon. Nur oben, in des Königs Schloß, Da flackert’s, da lärmt des Königs Troß,
Belsatzar hielt sein Königsmahl. Die Knechte saßen in schimmernden Reih’n, Und leerten die Becher mit funkelndem Wein. Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht’;
Des Königs Wangen leuchten Glut; Im Wein erwuchs ihm kecker Muth. Und blindlings reißt der Muth ihn fort; Und er lästert die Gottheit mit sündigem Wort.
Die Knechtenschaar ihm Beifall brüllt. [72] Der König rief mit stolzem Blick; Der Diener eilt und kehrt zurück. Er trug viel gülden Geräth auf dem Haupt;
Und der König ergriff mit frevler Hand Einen heiligen Becher, gefüllt bis am Rand’. Und er leert ihn hastig bis auf den Grund, Und rufet laut mit schäumendem Mund:
Ich bin der König von Babylon! Doch kaum das grause Wort verklang, Dem König ward’s heimlich im Busen bang. Das gellende Lachen verstummte zumal;
Und sieh! und sieh! an weißer Wand Da kam’s hervor wie Menschenhand; Und schrieb, und schrieb an weißer Wand Buchstaben von Feuer, und schrieb und schwand.
Mit schlotternden Knien und todtenblaß. [73] Die Knechtenschaar saß kalt durchgraut, Und saß gar still, gab keinen Laut. Die Magier kamen, doch keiner verstand
Belsatzar ward aber in selbiger Nacht Von seinen Knechten umgebracht.