Aus alten Mährchen winkt es

by Heinrich Heine

     Aus alten Mährchen winkt es Hervor mit weißer Hand, Da singt es und da klingt es Von einem Zauberland’:

5
     Wo bunte Blumen blühen

Im goldnen Abendlicht’, Und lieblich duftend glühen, Mit bräutlichem Gesicht;      Und grüne Bäume singen

10
Uralte Melodein,

Die Lüfte heimlich klingen, Und Vögel schmettern drein.      Und Nebelbilder steigen Wohl aus der Erd’ hervor,

15
Und tanzen lust’gen Reigen,

Im wunderlichen Chor;      [149] Und blaue Funken brennen An jedem Blatt und Reis, Und rothe Lichter rennen

20
Im irren, wirren Kreis;

     Und laute Quellen brechen Aus wildem Marmorstein, Und seltsam in den Bächen Strahlt fort der Wiederschein.

25
     Ach! könnt’ ich dorthin kommen,

Und dort mein Herz erfreu’n, Und aller Qual entnommen, Und frei und selig seyn!      Ach! jenes Land der Wonne,

30
Das seh’ ich oft im Traum,

Doch kommt die Morgensonne, Zerfließt’s wie eitel Schaum.

More poems by Heinrich Heine

All poems by Heinrich Heine →