Auf ein Soldatenbild

by Kurt Tucholsky

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Auf ein Soldatenbild

Hoher Kragen, eingezwängt in die Affenjacke; der Zivilleib, angestrengt, weicht dem Zeitgeschmacke.

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     Fremd und leer blickt dein Gesicht.

     Du verstehst das Ganze nicht. Letztes Bild und letzter Klang – du bist weggegangen. Und ich muß nun lebenslang

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mich nach beiden bangen.

     Um dich pflügt der Bauernpflug.      Du bist Lehm und hast genug.

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Lieber, seh ich heut dich an,

häßlich und verkleidet,

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hab ich oft dich toten Mann

grüßend sehr beneidet.      Läuse, Leutnant, blutiges Gras –      Sage, wofür tatst du das? Auf uns sieht derselbe Mond,

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sehn dieselben Sterne –

Deutschland, ewig knechtgewohnt, lechzt nach der Kaserne.      Qual, vier Jahr, gestohlnes Fressen      sind vergessen – sind vergessen…

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     Brüllend rufen Rottenlieder:

     „Morgen wieder! morgen wieder!“ Gruß dir –!  Du bist dran zerschellt: an dem letzten Dreck der Welt.

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