Auf dem Friedhof

by Heinrich Kämpchen (1847–1912) · 1909 German

Im Reich der Toten will ich mich ergehen,
Zum stillen Friedhof lenk’ ich meine Schritte –
Wie ist so wohl mir in der Gräber Mitte
Nun, wo die linden Frühlingslüfte wehen.

Auch hier ist Duft von blühenden Syringen
Und ihre Klagen schluchzet Philomele –
Und daß dabei auch der Kontrast nicht fehle,
Hör’ ich vom Dorfe helles Fiedelklingen. –

Dort tanzen sie, die Dirnen und die Buben,
Das Leben hat den Anfang erst genommen –
Hier ist zu seinem Ende es gekommen
Und ruht sich aus in festverschloss’nen Stuben. –

Auch sie, die jetzt hier schlafen bei Zypressen,
Sie haben einst gejauchzet und gesungen
Wie jene dort, die sich im Tanz geschwungen –
Auch jene werden schlafen und vergessen. –

Und wahrlich, wenn ich es so recht bedenke,
Und müßt’ ich wählen zwischen hier und drüben,
Ich wählte mir die stille Ruhstatt hüben,
Wohin ich jetzt schon meine Schritte lenke. –

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