An Annie

by Edgar Allan Poe

     [45] An Annie. Dem Himmel sei Dank, Die Gefahr ist vorüber! Wohl bin ich noch krank, Doch das schreckliche Fieber,

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Das Lebensfieber,

Ist glücklich bekämpft, Ist endlich gedämpft. Wohl sag’ ich mir: „Deine Kraft ist geschwunden,“

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Denn ich liege hier

Wie angebunden, – Ans Bett gebunden – Doch einerlei, Die Gefahr ist vorbei.

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[46] Und ich liege so still

In meinen Decken, Schweigend und still – Man möchte erschrecken, Vor mir erschrecken:

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Ich bin so weiß

Und athme so leis. Doch das Stöhnen und Aechzen, In den Adern das Kochen, Das wahnsinn’ge Lechzen,

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Das schreckliche Pochen,

Im Herzen das Pochen – Der Druck von Blei Gab mich endlich frei. Und die zehrende Gier,

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Mit der ich geschmachtet,

Ein halber Vampyr, Nach dem Born umnachtet, Dunkel umnachtet, Dem Born der Hölle,

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Der Naphtaquelle

Der Leidenschaft – Ist nunmehr erschlafft. [47] Mich dürstet nicht mehr Nach der dunklen Welle,

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Denn all mein Begehr

Stillt jetzt eine Quelle, Eine lautre Quelle. Lauter und sanft Mit weichem Ranft.

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Man sage mir nicht,

Mein Gemach sei ärmlich Und ohne Licht Und mein Lager erbärmlich, Schmal und erbärmlich –

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Ich liege gut,

Mein Sinnen ruht. Mein Sinnen ruht, Mein Gemüth ist entlastet Und das wilde Blut

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Ward ruhig und hastet

Nicht mehr so jäh Zum Herzen wie eh! Des, was mich bedrückte, Betäubte, verwirrte,

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Und was mich berückte,

[48] Der Rose und Myrthe, Des Duftes der Myrthe Denk’ ich jetzt kaum – Süß ward mein Traum –

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Es wehet um ihn

Ein heiliger Odem Von Rosmarin, Nicht mehr der Brodem, Der dumpfe Brodem

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Der Höllenkraft,

Der Leidenschaft. Und so lieg’ ich Wohlig gebettet Und fühle mich

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Glücklich gerettet,

Vom Tod errettet. Weich ist mein Pfühl Und wonniglich kühl. Und liebewarm

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Bin ich umschlossen

Von Annie’s Arm Und rings umflossen, Golden umflossen [49] Von ihrem Haar,

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Wie die Sonne klar.

Bricht der Abend an, So küßt sie mich innig Und betet dann Für mich so sinnig,

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So schlicht und sinnig

Zur Engelschar: Schützt ihn vor Gefahr! Da lieg’ ich denn still In meinen Decken,

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Schweigend und still –

Man möchte erschrecken, Vor mir erschrecken – Ich bin so weiß Und athme so leis.

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Doch mein Herz ist voll Glanz

Wie die lichte Höhe Und selig und ganz Erfüllt von der Nähe, Der holden Nähe

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Der geliebten Maid,

Meiner sanften Maid – [50] Meine Seele glüht Mit den reinen Flammen Ihrer Liebe und flieht

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In den wundersamen

Himmlischen Raum Zu seligem Traum.

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