An eine Sängerin
Ich denke noch der Zaubervollen, Wie sie zuerst mein Auge sah! Wie ihre Töne lieblich klangen, Und heimlich süß in’s Herze drangen,
Ich wußte nicht wie mir geschah. Ein Traum war über mich gekommen: Als sey ich noch ein frommes Kind, Und säße still, beim Lämpchenscheine,
Und läse Mährchen wunderfeine, Derweilen draußen Nacht und Wind. Die Mährchen fangen an zu leben, Die Ritter steigen aus der Gruft;
Da kommt Herr Roland herzureiten, Viel kühne Degen ihn begleiten, Auch leider Ganelon, der Schuft. [83] Durch den wird Roland schlimm gebettet;
Kaum mochte fern sein Jagdhornzeichen Das Ohr des großen Carls erreichen, – Da muß der Ritter schon erbleichen, – Und mit ihm stirbt zugleich mein Traum.
Das mich aus meinem Träumen rief. Verklungen war jetzt die Legende, Die Leute schlugen in die Hände, Und riefen „Bravo“ ohne Ende;