An A.
Mit der Morgenröthe glühen,
Mit dem Sturm die Wolken jagen,
Mit den Wolken Blitze sprühen,
Mit gefallnen Eichen klagen,
Rinnen, rieseln mit den Quellen,
Tanzen über glatte Felsen,
Mit dem Strom die stolzen Wellen
Nach dem fernen Meere wälzen,
Mit dem Meer die Wogen bäumen
Himmelan in heil'gem Grimme,
Um die zack'gen Riffe schäumen
Grollend mit des Donners Stimme;
Und dann wieder Serenaden
Mit den Nachtigallen bringen,
Und in Rosendüften baden
Müde abendfeuchte Schwingen,
Mit der düfteschwangern Rose
Sich im Abendwinde wiegen,
Und ein Tropfen Thau im Schooße
Einer Rose träumend liegen,
Und nach Stunden, die die Wonne
Aller Himmel in sich schließen,
An dem Kuß der Morgensonne
Liebend in das All zerfließen,
Und an's All dahingegeben
Sich doch selber nicht verlassen,
Und das ganze reiche Leben
In Ein Wort zusammenfassen,
Und das Wort als leise Frage
An zwei liebe Augen richten,
Daß ein Herz uns Antwort sage,
Und auf Alles dann verzichten,
Weil das Höchste uns geblieben:
Sieh, mein Lieb, das nenn' ich lieben. (S. 22-23)