Am Kochbrunnen in Wiesbaden

by Heinrich Kämpchen

[87] Am Kochbrunnen in Wiesbaden. Brodelnd, wie aus einem Riesenkocher, Steigt das Wasser aus der Tiefe aufwärts, Unerschöpflich und in gleicher Fülle. – Wallend, dampfend in der Marmorfassung,

5
Wie in einer Opferschale, kündet’s

Von geheimnisvollen Mächten, die uns Heilkraft spenden aus der Erdentiefe. – Schon der Kelte trank von diesem Wasser, (Er, der erste Siedler dieser Gründe)

10
Der Germane, und die Römer bauten

Thermen hier und heilten ihre Wunden. – Waren Nymphen der Hygiea *)[1] eh’mals Schützerinnen dieses Bronnens – heute Schöpfen wieder Nymphen und kredenzen

15
Ihren Becher anmutsvoll zum Trunke. –

Kranke aller Nationen kommen Hier Genesung suchend – baden, trinken, Und gesunden von den heißen Ouellen. – „Deutsches Nizza“, wie man dich genannt hat,

20
Prächtiges Wiesbaden, mögen immer

Deine Wasser kochen – immer, immer – Und die Kranken hier Genesung finden. –

More poems by Heinrich Kämpchen

All poems by Heinrich Kämpchen →