Am Grabe der Mutter
[17] Am Grabe der Mutter. Lieb’ Mütterchen, an deinem Grabe steht Dein Sohn, dein Liebling, wie du ihn genannt, Als noch gepflegt ihn deine weiche Hand Mit Mutterhuld, mit Mutterlieb’ und Treu. –
Bin alt geworden und das Leben hat Mit rauher Faust gewürfelt mich unstet, Wie auf der Tenne das Getreid’ der Wind. – Durch Dornen schritt mein Fuß – wund und bestaubt,
Zog ich des Weg’s dahin, und öfters ward Der Pfad gesperrt mir von Geröll und Kluft. – Ja, dornig war der Weg, und rauh und steil, Den ich gegangen bin – und wenn mir jetzt
So ist’s die Rast nur vor dem letzten Gang. – Doch immer, Mutter, gab dein Bild Geleit In allen Stürmen mir – ich dachte dein Im Grau’n des Schachts, wenn krachend das Gebirg’
[18] Und wenn ich jetzt an deinem Grabe steh’, Ein armer alter, lebensmüder Mann, – Zur Mutter wieder sonder Rast und Ruh Zieht’s mich mit allen Herzensfasern hin. –
Dann ruht dein Sohn zur Seite wieder dir, Wie vordem einst. – O, möge leicht und lind Sein Schlummer auch, wie deiner, Mutter, sein! –