Am Grabe der Mutter

by Heinrich Kämpchen

[17] Am Grabe der Mutter. Lieb’ Mütterchen, an deinem Grabe steht Dein Sohn, dein Liebling, wie du ihn genannt, Als noch gepflegt ihn deine weiche Hand Mit Mutterhuld, mit Mutterlieb’ und Treu. –

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Du ruhest lange schon – ich unterdeß

Bin alt geworden und das Leben hat Mit rauher Faust gewürfelt mich unstet, Wie auf der Tenne das Getreid’ der Wind. – Durch Dornen schritt mein Fuß – wund und bestaubt,

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Ein durst’ger Wandrer ohne Born und Quell,

Zog ich des Weg’s dahin, und öfters ward Der Pfad gesperrt mir von Geröll und Kluft. – Ja, dornig war der Weg, und rauh und steil, Den ich gegangen bin – und wenn mir jetzt

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Im Abendrot ein wenig Ruhe winkt,

So ist’s die Rast nur vor dem letzten Gang. – Doch immer, Mutter, gab dein Bild Geleit In allen Stürmen mir – ich dachte dein Im Grau’n des Schachts, wenn krachend das Gebirg’

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Zusammenbrach – du warst mir Schutz und Schild. –

[18] Und wenn ich jetzt an deinem Grabe steh’, Ein armer alter, lebensmüder Mann, – Zur Mutter wieder sonder Rast und Ruh Zieht’s mich mit allen Herzensfasern hin. –

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Schlaf, Mütterchen! Vielleicht nur kurze Frist,

Dann ruht dein Sohn zur Seite wieder dir, Wie vordem einst. – O, möge leicht und lind Sein Schlummer auch, wie deiner, Mutter, sein! –

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