Am goldenen Sonntag

by Heinrich Kämpchen

[111] Am goldenen Sonntag. Herrlichkeiten sondergleichen, Schmuck und Pelze, Seidenstoffe, Seh’n wir wieder aufgestapelt Ueberall im reichsten Maße. –

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Leck’res auch zum Essen, Trinken,

Wildpret, Weine und Geflügel – Was das Herz erfreut, begehret, Lockt durch blanke Spiegelscheiben. – Und der Arme, der die Straßen

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Notgedrungen muß passieren,

Wird magnetisch angezogen Von dem Prunk und von der Fülle. – Dicht, ganz dicht vor seinen Augen Liegt der Ueberfluß gebreitet –

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Nur ein dünnes Glas ist Schranke

Zwischen ihm und all’ den Schätzen. – Einmal essen, einmal trinken Von dem Schönen, o wie gerne! Einmal auch sich besser kleiden,

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Aber Geld – er ist Prolete. –

Kaufen, kaufen! Wie zum Hohne Tönt der Ruf ihm in die Ohren – Kaufen soll der arme Teufel, Und ganz leer sind seine Taschen. –

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Hungern kann er nur und lungern

Vor den ausgestellten Waren – Und er geht, mit einem Fluche Auf die Satten, auf die Reichen. –

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