26.

Schwärmen will ich und tändeln mit dir; o kränze mir, Liebchen,
Kränze den goldenen Kelch hurtig mit sprudelndem Wein!
Koste mit lüsterner Lippe zuvor, und, wenn der Berührung
Geist am Rande noch schwebt, reiche den Becher mir dar,
Daß ich zugleich mit dem Trank ausschlürfe des rosigen Mundes
Wallenden Hauch, und Wein wandle zum zartesten Kuß!
Züchtige, nippe nicht so! Still lauscht in der Tiefe des Bechers
Amor; weise doch nicht hart den Gewognen zurück.
Scherz und schmeichelnde Worte verleiht und leises Verlangen,
Schwingen dem zögernden Geist, Rosen den Wangen der Gott;
Was dir noch reizendes schlief in der Brust, das weckt er, und mächtig
Impft er dem duftenden Strauch schönere Blüthen noch ein;
Holderes Lächeln umgaukelt den Mund, in dem leuchtenden Blick strahlt
Hellerer Geist, und es tönt süßer das kosende Wort;
Zartere Schaam wohnt still auf den seidenen Wimpern, und Sehnsucht
Lauscht dir im Aug', und es bebt hüpfend im Busen die Lust.
Schlürf' ihn hinab in die Brust! doch ach, nicht lange verweil' er,
Und im glühenden Kuß gieb mir den Holden zurück!

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Collection: 
1841

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  • 12.

    Laulich schlüpfte der West durch des Harzwalds schauriges Dunkel,
    Ueber den felsigen Höhn spielte das Abendgewölk,
    Sehnsucht rieselt' im Quell, und im Berghain rieselte Sehnsucht,
    Sehnsucht wiegte sich her auf dem entfernten Geläut,
    ...

  • 11.

    Liebchen, o komm zum ländlichen Fest, das ich heute bereitet,
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    Sieh, zur arkadischen Flur ward rings der verödete Harzwald,
    Hoch am schroffen Gebirg winket der Tempel der Lust.
    ...

  • 10.

    Bringst du vielleicht, was jetzt du mir sangst in traulicher Stille,
    Einst in die Hände des Volks, zu der Gebildeten Ohr,
    O dann tilge den Namen hinweg der Geliebten und jedes
    Deutende Wort, denn hart richtet der kalte Verstand!
    Also...

  • 9.

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    Eins in das Andre verliebt, oder betrügt uns der Schein?
    Traulich sitzen wir oft, und es scherzt muthwillig der Leichtsinn
    Ueber das tiefe Gefühl, über ein schwärmendes Paar;
    ...

  • 8.

    Amor, himmelgeborener, komm, nicht jener, der sinnlos
    In's wildwogende Meer frevelnder Lüste sich senkt,
    Nicht du verderblicher Gott, der tief in die Herzen den Pfeil uns
    Schleudert und hoffnungslos ewige Gluthen erweckt:
    Nein, du reizendes...