XXXIV. Er ist schlecht und recht

by Georg Greflinger

1.
Liebste/ meines Lebens Leben/
Dencke nicht auff Geld und Pracht/
Derer keines mier gegeben/
Derer Lob bey mier verlacht.
Mier geliebt ein treuer Sinn/
Und was ich wol selber bin.

2.
Mancher stutzet auff der Gassen/
Scheinet Seiden um und an/
Kan sich trefflich hören lassen/
Und ist doch ein magrer Hahn.
Tausend/ Tausend muß es seyn/
Trifft es kaum mit hundert ein.

3.
Ich bin nicht aus jenen Zechen/
Wo sich das Gesinde findt/
Welche Männer im Versprächen
Und im halten Kinder sind.
Was mein Hertze dier gesagt/
Hat dein Hertze nie beklagt.

4.
Trag ich dann nicht stoltze Kleider/
Ey so mahnen mich auch nicht
Weder Schuster weder Schneider/
Wie es manchem offt geschicht.
Hab ich keinen Biber Hut/
So ist diß darunter gut.

5.
Ich mag keine Worte geben/
Die in Schäfereyen sind/
Sagestu: komm her mein Leben/
Sag ich dir: Komm her mein Kind.
Ich bin schlecht und recht/ und treu/
Hör/ wer nun dein Freyer sey.
(pdf. S. 66f)
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