Wie eine Dryas im Baum

by Ernst Lissauer (1882–1937) · 1920 German

Wohnt dir die Stimme im kräftigen Hals versteckt,
Schlafend klanglosen Traum.

Leg' ich an den weißen Stamm das Ohr,
Fährt sie vom Schlummer empor geweckt -,
Rufen erschreckt
Sich die Dryaden jauchzend im Rund?
Gekitzelt vom stoppligen Mannsfaunmund,
Schallt sie allein wie ein Chor.

Aus: Ernst Lissauer Der inwendige Weg Neue Gedichte
Verlegt bei Eugen Diederichs Jena 1920
(S. 20)
_____

More poems by Ernst Lissauer

  • Aufs Buch gebeugt mein Angesicht

    Aufs Buch gebeugt mein Angesicht,
    Mit meinen Augen seh' ich dich nicht,
    Ich sehe dich nicht mit Blicken. …
  • Du leibhaftes Stücklein Welt

    Du leibhaftes Stücklein Welt,
    Das mein pressender Arm selig umschlossen hält, -
    Was sonst auf der Welt ist mein? …
  • Du meine stark' und holde Lieblingin!

    Du meine stark' und holde Lieblingin!
    Auf kräft'gen Nacken mächt'ges Haupt gebaut,
    Du linde Wange, wollend festes Kinn -, …
  • Gewalt

    Ich dachte heut mit Lust und Kraft an dich
    Und wünschte stark: durch Mauern und geschlossne Türen
    Soll sie Gewalt von meiner Liebe spüren. …

All poems by Ernst Lissauer →