Weihe an Hellas

by Amalie von Helvig

[2] Weihe an Hellas. Ah! Greece! – they love thee least who owe thee                               most ....... Byron. Die Du an der Kindheit Gränzen Standest mit den tausend Kränzen – Vor dem kaum erwachten Geist; Mit dem Ernste der Geschichte,

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In dem Zauber der Gedichte

Lehrend, was man würdig preist. Hellas! – Beistand brauchst Du heute, Blutend, wie des Tigers Beute, Rufst umsonst nach Hülfe Du! –

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Ach! und Alles scheu verdrossen,

Matt gerührt und halb entschlossen, Sieht dem Todeskampfe zu! – [3] Wer von Jenen, hochgeehret Lebet, den Du nicht belehret,

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Nicht erzogen seiner Zeit? –

Den mit Tugend Du verbündet, Früh zu Thaten nicht entzündet, Würdig der Unsterblichkeit? – Heil’ge Namen! – die uns allen

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Aus des Nachruhms Götterhallen

Ahnungsvoll ins Herz getönt; Sollt ihr nicht zum Dank uns mahnen, Seit den Zorn erhabner Ahnen Schön der Enkel Muth versöhnt?

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Wär’ ich Herrscher – Heere zögen,

Flotten, kriegsgerüstet flögen Der Bedrängten Schutz herbei. Hätt’ ich Schätze, Wehr und Waffen, Wollt’ ich Hellas Kämpfern schaffen,

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Ihre Kinder kauft’ ich frei.

Was ich immer wär’, ich weihte Jede Kraft dem heil’gen Streite Dort in rühmlicher Gefahr; Arzt – Verwundete zu heilen,

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Krieger – kühn voran zu eilen,

Führer der erlesnen Schaar. [4] Doch von allen seinen Spenden Fiel mir aus des Glückes Händen Nur des Weibes enges Loos,

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Und, dem Kummer früh Vertraute,

Legt’ ein güt’ger Gott die Laute Mild der Weinenden im Schooss. – Da von Glanz umhangner Blösse

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Unterscheidend wahre Grösse

Lernt ich ihr Gepräg’ verstehn: Nicht vom Beifall angezogen, Vom Gelingen nicht betrogen, Auf den Thaten Urquell seh’n.

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Und so reich’ ich euch die Rechte,

Griechen, die ihr nicht als Knechte Fürder leben wollt in Schmach. Folge, wie ihr neu belebet Tief vom Staub euch kühn erhebet,

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Mit Gebet und Wünschen nach.

Wie an seinem Hirtenstabe Einst vor Goliath der Knabe, Steht der Riesen Macht ihr blos. Er, dess Hand die Schleuder lenkte

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Und des Trotz’gen Stirne senkte,

Hält auch jetz des Todes Loos. [5] Wie es falle, wie es liege, Ob dort Christ, ob Heide siege, Gottes Wille wird geschehn. –

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Doch mir werden sonder Wanken

Alle Sinnen und Gedanken Stets dahin gerichtet stehn. Tönt indess ihr goldnen Saiten! – Kann ich Hülfe nicht bereiten

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Geb ich, was die Muse gab. –

Und wenn alle kalt frohlocken, Halle leis, wie Trauer-Glocken, Du, mein Lied, an Hellas Grab.

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