Weihe an Hellas
[2] Weihe an Hellas. Ah! Greece! – they love thee least who owe thee most ....... Byron. Die Du an der Kindheit Gränzen Standest mit den tausend Kränzen – Vor dem kaum erwachten Geist; Mit dem Ernste der Geschichte,
Lehrend, was man würdig preist. Hellas! – Beistand brauchst Du heute, Blutend, wie des Tigers Beute, Rufst umsonst nach Hülfe Du! –
Matt gerührt und halb entschlossen, Sieht dem Todeskampfe zu! – [3] Wer von Jenen, hochgeehret Lebet, den Du nicht belehret,
Den mit Tugend Du verbündet, Früh zu Thaten nicht entzündet, Würdig der Unsterblichkeit? – Heil’ge Namen! – die uns allen
Ahnungsvoll ins Herz getönt; Sollt ihr nicht zum Dank uns mahnen, Seit den Zorn erhabner Ahnen Schön der Enkel Muth versöhnt?
Flotten, kriegsgerüstet flögen Der Bedrängten Schutz herbei. Hätt’ ich Schätze, Wehr und Waffen, Wollt’ ich Hellas Kämpfern schaffen,
Was ich immer wär’, ich weihte Jede Kraft dem heil’gen Streite Dort in rühmlicher Gefahr; Arzt – Verwundete zu heilen,
Führer der erlesnen Schaar. [4] Doch von allen seinen Spenden Fiel mir aus des Glückes Händen Nur des Weibes enges Loos,
Legt’ ein güt’ger Gott die Laute Mild der Weinenden im Schooss. – Da von Glanz umhangner Blösse
Lernt ich ihr Gepräg’ verstehn: Nicht vom Beifall angezogen, Vom Gelingen nicht betrogen, Auf den Thaten Urquell seh’n.
Griechen, die ihr nicht als Knechte Fürder leben wollt in Schmach. Folge, wie ihr neu belebet Tief vom Staub euch kühn erhebet,
Wie an seinem Hirtenstabe Einst vor Goliath der Knabe, Steht der Riesen Macht ihr blos. Er, dess Hand die Schleuder lenkte
Hält auch jetz des Todes Loos. [5] Wie es falle, wie es liege, Ob dort Christ, ob Heide siege, Gottes Wille wird geschehn. –
Alle Sinnen und Gedanken Stets dahin gerichtet stehn. Tönt indess ihr goldnen Saiten! – Kann ich Hülfe nicht bereiten
Und wenn alle kalt frohlocken, Halle leis, wie Trauer-Glocken, Du, mein Lied, an Hellas Grab.