Vorfrühling
Es war im März. Die Veilchen sproßten hold,
und Kornelkirschen trugen junges Gold,
als ich zum erstenmal dich sah.
Ein Blick, ein Staunen, das ich kaum verstand,
ein scheues Fassen deiner warmen Hand,
und ach, ich weiß nicht, was geschah!
Der Wald noch ohne Grün, noch kahl und grau,
doch hell ein Frühlingshimmel, rein und blau,
und irgendwo ein schöner Klang.
Ein Glanz in deinen Augen, klar und tief,
in mir ein Rätsel, das mich zärtlich rief —
— und eine Amsel kam und sang.
Und sang. Und schwieg. Und flatterte davon.
Der Liebe Lied erstarb im ersten Ton.
Und ich allein. Und du? Ich weiß nicht, wo!
Verflognes Glück. Und ein erfrornes Herz.
— Zwei Falter, die zu früh geschwärmt im März,
die starben so!
Sei tapfer, Liebling, klage nicht,
ob auch dein Herz vor Weh zerbricht!
Ein stumm und stolz getragnes Leid
verwandelt sich in Seligkeit.