Liebe?
Nein! es war nicht Liebe! es war ein kurzer Sinnentaumel nur,
der dir das Blut aufstürmte . . .
Wie heißer Juliwind mit durstigem Kusse die Wellen aufreißt
in den stillen Havelseen, sich satt zu trinken
für seinen Weiterflug über den brennenden Marksand
brachs plötzlich über dich, in deine Stille,
durstig, lechzend . . und drängte deine Hand
in mein Haar und meinen Kopf auf deinen Schoß
und empor an deine Brust und empor,
bis ich deinen Atem auf die Stirne glühen fühlte . .
wie der Wind die Wellen emporküsst . .
bis wir Lippe an Lippe hingen
. . mit geschlossenen Augen.
Und dennoch liebtest du mich nicht
und deine Seele war weit weg in der Ferne . .
nur dein Mund war mein . .
O dass ich sie zu mir schmeicheln könnte!
dass deine Seele mein würde!
deine weiße ferne Seele mit all der Wonne
ihrer Sonnensehnsucht . .
einen Tag nur,
eine Stunde nur!
dass mein Glück nicht bloß ein Taumel deiner Sinne . .
dass dich das mir gäbe, was mich selbst deinen Knieen
niederwirft in stummer Seligkeit.
aus: Cäsar Flaischlen Von Alltag und Sonne Gedichte in Prosa
Rondos / Lieder und Tagebuchblätter/ Mönchguter Skizzenbuch /
Lotte, eine Lebensidylle / Morgenwanderung
Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart und Berlin 1921