Schön Sidselil und Ritter Ingild

by Ludwig Gotthard Kosegarten

Nach dem Altdänischen.

     Schön Sidselil schnürte sich so knapp und schlank, Daß ihr die Milch aus den Brüsten sprang.      »Was seh ich herzliebes Töchterlein! »Dir sprützt ja die Milch aus den Brüsten dein!«

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     »Es ist nicht Milch, das den Busen mir näßt,

»Es ist vom Meeth, den ich eben gepreßt.«      »Lehre du mich kennen Milch und Meeth! »Ist braun denn die Milch und weiß der Meeth?«      »Ach Mutter vergebt, Herzmutter, verzeiht!

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»Ritter Ingild, der Wackre, hat um mich gefreit!«

     »Ritter Ingild, der Kecke, thät um dich frein? »Was gab er dir denn für die Ehre dein?«      »Er gab mir ein roth seidenes Kleid, »Ach! aber ich trug es mit Jammer und Leid.

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     »Er gab mir ein Paar silberspangiger Schuh,

»Ach! aber, sie la’n mir nicht Rast noch Ruh.

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