William Shakespeare

Gender: 
Male
  • Was ist dein Sein? aus welchem Stoff bereitet,
    Daß gern sich dir Millionen Schatten weih’n?
    Von einem Schatten Jeder ist begleitet,
    Nur einzig du kannst Jedem Schatten leih’n.
    5 Adonis mal’, und das Gebilde spendet
    Ein ärmlich Gleichniß deines Wesens nur;...

  • Dem Reichen gleich’ ich, der mit Schlüssels Kraft
    Des theuern Schatzes Truhe sich erschließet,
    Doch nicht durch viel Beschauen sie erschlafft,
    Die Lust, die seltner er, so mehr genießet.
    5 Drum herrlich ist ersehnten Festes Feier,
    Die spärlich trifft des langen...

  • So kann die Lieb’ verzeih’n gemaches Weilen,
    Des trägen Pferdes, wenn von dir ich zieh’;
    Wie sollte Trennung ich von dir beeilen? –
    Bis heim ich kehr’, ist Hast verlorne Müh’.
    5 Doch wird mein armes Thier Entschuld’gung finden,
    Wenn träg’ erschiene mir der...

  • Nur zögernd zieh’ ich fort mit trägem Gange,
    Da, was ich such’ – der müden Reise Ziel –
    Mir zeiget, wie dem End’ ich näh’r gelange,
    Daß zwischen Freund und mir der Meilen viel.
    5 Das Thier, das fort mich trägt und meinen Schmerz,
    Es schreitet matt, als fühlt’s...

  • Ist’s Furcht, daß Wittwenaugen um dich leiden,
    Wenn grausam dich die Einsamkeit behält? –
    O solltest kinderlos du leider scheiden,
    Beklagt dich, ein verwittwet Weib, die Welt.
    5 Sie wird als deine Wittwe stets beweinen,
    Daß du nicht ließt ein Bild von dir...

  • Warum, o Anmuth, willst für dich du nur
    Der Schönheit hold Vermächtniß so verschwenden?
    Denn Alles leiht und nichts schenkt die Natur,
    Doch frei ist, dem sie leihet ihre Spenden.
    5 Warum mißbrauchst du, schöner Geizhals, doch
    Die güt’ge Fülle, die dir ist...

  • Sieh’ in den Spiegel, sag’ dem Antlitz dann:
    Zeit ist’s, daß es ein Ebenbild erhält;
    Daß, wenn es neues Leben nicht gewann,
    Du um die Mutter nicht betrügst die Welt.
    5 Denn wo ist, deren Leib noch ungepflügt
    Der Gattenliebe Anbau je verschmäht?
    Und wo...

  • Wenn eine vierzig Winter lange Zeit
    In deiner Schönheit Feld furcht tiefe Spur,
    Ist welkes Kraut der Jugend stolzes Kleid,
    Jetzt hoch bestaunt und dann verachtet nur.
    5 Gefragt dann: wo blieb deiner Schönheit Glück,
    Wo all’ der Schatz aus schöner Tage Traum?...

  • Vom schönsten Wesen wünschen Zuwachs wir,
    Damit der Schönheit Rose bleibe ewig jung,
    Und wenn der Reifre einstens schied von hier,
    Sein Erb’ ihm wahre die Erinnerung.
    5 Doch du, beschränkt auf deinen Flammenblick,
    Nährst durch den eignen Brand der Flamme Gluth...

  • Wenn Liebchen schwört, daß sie der Wahrheit treu,
    Dann glaub’ ich’s ihr, wenn auch ich weiß, sie lügt,
    Damit sie wähnt, daß Jüngling ich noch sei,
    Mir unbewußt, wie falsche Welt betrügt.
    5 So, thöricht denkend, daß sie jung mich hält,
    Wenn auch sie weiß, mein...