Person ohne Ich
[145] Person ohne Ich. Hast Du kaum vom Mutterschooße Recht im Dasein Fuß gefaßt, Wird alsbald dir ohn’ Erbarmen Andres Wesen angepaßt.
Stockphilistertyrannei Bricht den freien Geist und Willen, Ach dein schönstes Selbst, entzwei! Eltern, Tanten Gouvernanten,
Bis Gewohnheit, Qual und Schmerz dir Allen Lebensmuth geknickt; Wirst dich selber, deine Triebe, Zu erkennen, schnell entwöhnt,
Und der Kette dich versöhnt, [146] Wirst, da du dich nimmer in Dir Findest, nie des Lebens froh, Zeugst du endlich selber Kinder, –
Bis zum Bett und in den Teller, Weiter reicht der Blick nie aus, Alle Wünsche gehen schlafen, Ist nur Geld und Brot im Haus;
Und den Kindern recht zur Last, Gehst du in das Wesenlose, Fast, – wie du’s verlassen hast. Ueber deinem Grabe freuen
Zwar Person bist du gewesen, – Aber nimmermehr ein Ich!