Mein Glaube
Mein Glaube.[1] Von Joh. Heinr. Mädler. Auf dieser Wahlstatt blut’ger Meinungskriege, Wo Wahrheit und Vernunft begraben liegt, Auf dieser Kugel, wo vom Sieg zum Siege Das Ungeheuer der Verfolgung fliegt,
Wo man die Menschheit in den Traum gewiegt, Hier will ich meinen Glauben treu bekennen, Mag’s auch die Welt dann, wie sie Lust hat, nennen. Nicht jenen Gott, den man Jehovah nannte,
Deß’ roher Blutdurst kein Erbarmen kannte, Den Feind des Mitleids, wie der Menschlichkeit; Der wilde Löwen in die Hütten sandte, Weil man ihm keine Tempel noch geweiht,
Und hinterher gebeut: du sollst nicht stehlen! Auch das Phantom nicht, daß dem kranken Hirne Des Mönchleins Athanasius entsprang, Und dem ein Pontifex mit frecher Stirne
Wie der gesunde Menschensinn auch zürne, Das ungeheure Wagestück gelang. Das Schwert muß die Vernunft darnieder halten, Bis man den Gott, den Einigen, zerspalten.
Dem Zerrbild, das aus solcher Quelle stammt, Für Alle, die sich nicht zu ihm bekannten, In denen noch ein Gottesfunke flammt. Und nicht genug, daß sie den Leib verbrannten,
Von jenem Pfäfflein, das die Welt verblendet, Das heiligste der Rechte ihr entwendet. Nur dich, der ewig über Welten thronet, Und den kein sterblich Auge je erkannt;
Den jeder, der dich ernstlich suchte, fand; Dich, der die Wahrheit liebt, den Irrthum schonet Und den kein Tempel schließt, kein heilig Land, Dich will ich glauben, deinen Lohn erwerben,
Dich wollten jene alten Forscher finden, In ihren Hallen hat dein Licht gewohnt; Dich wollt’ uns einst Maria’s Sohn verkünden, Die Mit- und Nachwelt hat es ihm gelohnt.
Wird Keiner, der dich laut bekennt, verschont. Zu allen Zeiten kannten dich die Weisen, Doch ehrten sie dich still in engern Kreisen.