LXXIV.

by Demeter Dudumi (1856–1899) · 1854 German

LXXIV.
Im Buche der Vergangenheit
Hab' sinnend ich gelesen,
Wie ich in mancher Stundenfrist
So glücklich einst gewesen.

Da fiel ein Blatt mir in die Hand,
Ein Denkmal jener Stunde,
Als weilend mir dein erster Kuß
Gab von der Liebe Kunde!

Verwischt war deine Namensschrift,
Sie drohte zu verschwinden,
Zu oft durchlas ich ja dies Blatt,
Und weinte zum Erblinden!

Die Thränenspur war sichtbar noch,
D'rum kam mir der Gedanke,
Daß, Kind, um deine Namensschrift
Sich nasser Epheu ranke! (S. 119-120)
_____

More poems by Demeter Dudumi

  • XXVI.

    Blumen keimen und erblühen
    Aus dem Schoße der Natur,
    Schlingen weit sich hin und senden …
  • XXV.

    Kennst du die Blume, die am frühen Morgen
    Sich ostwärts wendet, wenn der Tag erwacht,
    Und zum Zenith im heißen Mittagsstrahle, …
  • I.

    Ich konnte lang nicht einig werden,
    Als ich darüber nachgedacht,
    Wie wol die Blume heißt auf Erden, …
  • II.

    Wie Strom und Meer in seinen Wogen
    Das ew'ge Bild des Himmels weist,
    So hat verliebt mein Herz und Geist …

All poems by Demeter Dudumi →